Kapitel 2 - In den Startlöchern
Nun saß ich da, mit wirrem Haar, frei nach dem Motto: Ich mach mich dann mal selbständig! Ganz traditionell setzte ich mich mit Zettel, Stift und einer großen Tasse Kaffee hin und machte mir einen Plan: Wie sichere ich mich ab? Was brauche ich alles? Welche Kunden bringe ich mit? Wie soll mein Erscheinungsbild sein? Wie nenn ich mich denn überhaupt? Ja, das war im Grunde mein größter Stolperstein. Nehmt mal meinen Vornamen in Großbuchstaben oder die Initialen meines ganzen Namen Ira Schwerin. Terror mache ich ja nun wirklich nicht. Hab ja eine freundliche Werkseinstellung (Danke Mama). Und dann finden es alle noch so lustig, dass ich wie unsere Landeshauptstadt heiße. 
So überlegte ich wochenlang darüber und zwar nicht WER ich bin, sondern WAS ich bin: Ein Löwenherz. Mein Sternzeichen und Aszendent sind beides Löwe, was besagt, dass ich alle Eigenschaften mit doppelter Kraft in mir trage. Und die schönsten gefielen mir am besten: Ehrgeiz, Herzblut, Kampfgeist, Ästhetik und viele weitere. Und damit fühlte ich mich sofort abgeholt. Nun galt es, mir ein CI zu erschaffen und vor allem als Grafikerin ist das mitunter die schwierigste Aufgabe. Nach etlichen Versuchen, Skizzen und Brainstormings stand es da: Mein Logo. Und ich war noch nie zuvor mit einer Arbeit meinerseits so zufrieden, so wunschlos glücklich. Ich baute alles herum auf: Schriften, Bildstimmungen, Strukturen, eine Homepage. 
Aber nicht nur das Design war gefragt. Dieses Gefühl zwischen Daumen und Zeigefinger ist ja schließlich auch noch da. Ich rechnete zusammen, wie viel Geld ich im Monat zum Leben benötigte und sparte mir eine Summe zusammen, mit welcher ich mich ein halbes Jahr versorgen kann. Hört sich viel an, ist aber unbedingt notwendig. Das Schöne am Grafikerleben ist ja, dass man keine Kredite aufnehmen muss. Man braucht nur seinen Rechner, die Programme, eine Internetverbindung und einen kreativen Kopf. Ich ließ mich bei meiner Bank beraten, eröffnete ein Geschäftskonto, damit ich alles schön separiert habe. Ich vereinbarte einen Termin bei der Krankenversicherung, welche Konditionen mir angeboten wurden. Und seid euch bei einem sicher: die Krankenkasse aus eigener Tasche zu zahlen, ist wirklich eine Hausnummer! 
Dann ging ich zum Gewerbeamt und meldete zum 1. August Gewerbe an. Einen Tag nach meinem Geburtstag sollte also mein neuer Alltag starten. Die Steuernummer beim Finanzamt erhielt ich durch das Ausfüllen eines endlos langen Formulars. Aber um euch die Angst vor eines jenen Amtes zu nehmen: Wie es in den Wald hineinschallt, so kommt es auch heraus. Ich füllte besten Wissens alles aus, fuhr persönlich hin und bat noch einmal um Rat und mir wurde total freundlich geholfen. 
Wie danach die ganze Buchhaltung aussah, erzähle ich euch beim nächsten Mal! Euer Löwenherz. 
Kapitel 1 - Der Grundgedanke

14.05.2020 | Ein löwenstarkes Moin aus dem schönen Rostock an euch da draußen! Gestatten: Ira, 23 Jahre alt, selbständige Mediengestalterin aus Rostock. Warum ich mich direkt nach dem Studium selbständig gemacht habe: Das erzähle ich euch heute. Lauscher auf und Popcorn parat.

Es war 2016 als ich im dritten Semester studierte und meiner Liebe zu Design und Grafik nachging. Meine kleine Nikon begleitete mich oft auf Veranstaltungen im privaten Rahmen und ich tobte mich zuhause nach Herzenslust in Photoshop und Co. aus. Und zu meinem Glück wusste davon auch der Buschfunk. So passierte es, dass ich neben dem Studium schon im Ostseestadion bei Veranstaltungen fotografieren durfte, auf einem Dreimaster eine Firmenfeier begleitete, ein CD Cover gestaltete und die ganze Social Media Grafik machte, mehrere Konzerte mit Plakaten ausstattete und so weiter. Es summierte sich und ich liebte meinen Job mit jedem Tag mehr. Meine Nikon und mein Mac brachten mich an die tollsten Orte zu den verschiedensten Menschen und egal, wo ich hinkam, sah ich meine Arbeit: Plakate, Eintrittskarten, Fotos, CD’s die zuvor in meinem Kopf existierten und über den Mac dann plötzlich in die Welt gelassen durften. Dieses Gefühl war unbeschreiblich.

Meine Aufträge wurden mehr und mehr. Und je näher mein Abschluss rückte, desto mehr versank ich in Gedanken, was ich nach dem Studium eigentlich anstelle. Anstelle? Anstellung! Das war das Ziel der meisten meiner Kommilitonen und mit Recht auch eigentlich die beste Idee: Man hat seine monatliche Gehaltszahlung, ist krankenversichert und kann nach Feierabend in der Agentur auch wirklich den Kopf freilassen. Eigentlich. Genauso viele gute Beispiele waren auch von negativen untermalt. Aber die gibt es überall. So suchte ich nach Möglichkeiten und fand nichts, womit ich mich voll identifizieren konnte. Das war tatsächlich mein größtes Hindernis. Ich war nie auf das große Geld aus, da ich es auch nicht gewohnt war. Für jeden Pfennig war ich stolz, den ich mir erarbeitet habe und trotzdem drehte ihn dreimal um, ohne es zu müssen.

Als ich schließlich in mein Praktikum ging, legte ich mir schon eine Steuernummer für freiberufliche Nebentätigkeiten zu. Es ging nicht mehr ohne eine, denn irgendwann erreichte ich auch das Limit, das ich als Privatperson in Rechnung stellen durfte. Mit jedem Auftrag rief meine innere Stimme lauter: „Mach doch einfach Ira!“ Ja schön, aber warum sollte das denn gut gehen! Aber warum auch eigentlich nicht? Ich erzählte mehreren Leuten von meiner Idee, die einerseits in meiner Branche arbeiteten und mich andererseits gut kannten. Alle stimmten zu und sagten, ich mache das schon. Das gab mir Kraft. Letzten Endes stand dem auch nichts im Weg! Ich war allein, ohne Kinder und ohne irgendwelche Verantwortungen, nur die für mich selbst. Und so gut wie ich mich eben auch kannte, würde ich es irgendwann bereuen, es nicht versucht zu haben.

No risk - no fun. Der Plan war da. Jedenfalls in meinem Kopf. Nun galt es, ihn umzusetzen. Also: Ab die Luzie!

Und das erzähle ich euch beim nächsten Mal.
Euer Löwenherz.
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